13.
Dezember
2007
Nur Unprofessionalität oder schon Betrug?
Es folgt die kurze Geschichte eines Shopping-Erlebnisses, wie es nicht vorkommen darf, schon gar nicht im Jahr 2007.
Mit dem Wunsch, ein Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn zu erwerben (was genau, kann noch nicht verraten werden – er könnte mitlesen), startete vor einigen Tagen eine E-Commerce-Odyssee, die ich hier mal in chronologischer Form wiedergebe:
- 10.12.2007, später Nachmittag
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Stelle bestürzt fest, dass das schon seit Wochen geplante und seit Tagen im Amazon-Warenkorb liegende Weihnachtsgeschenk vergriffen ist. Eine kurze Suche bestätigt: Das ist nicht nur bei Amazon so, sondern auch bei allen anderen Onlineshops, die mir auf die Schnelle für dieses Produkt einfallen.
- 10.12.2007, früher Abend
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Produkt gefunden! Bei karstadt.de ist … (Ich liefere die Produktbezeichnung nach Weihnachten nach) lieferbar. Genau steht dort »sofort lieferbar«, was für mich heißt, dass das gute Stück dort am Lager ist. Also nichts wie auf zur Bestellung, Weihnachten ist gerettet.
- 10.12.2007, immer noch früher Abend
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Mist, die Eingabe der Kreditkartendaten scheitert auch bei etlichen Versuchen mit einer nichtssagenden Fehlermeldung vom Server des Zahlungsdienstleisters. Kauf per Vorkasse wird ebenfalls angeboten, in Anbetracht der vorweihnachtlichen Knappheit der … und der schon fortgeschrittenen Kalenderzeit ist das aber nicht mein Favorit. Eine telefonische Bestellung scheitert an der Nichterreichbarkeit der Hotline.
Nur testweise wechsle ich also mal den Benutzeragenten und siehe da: Mit dem Internet Explorer 7 lässt sich bei Karstadt auch eine Kreditkartenzahlung abwickeln, die dem gemeinen Firefox-User versagt wird. Egal, ich bin ja nicht nachtragend und freue mich über die erfolgreich abgeschickte Bestellung und das sichere Gefühl, dass ich in den nächsten Tagen eine … in den Händen halten werde.
- 10.12.2007, 20.18 Uhr
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Eine Bestelleingangsbestätigung per E-Mail kommt an. Das habe ich natürlich erwartet. Moment. Da steht »Zahlungsart: Vorkasse«. Ich hatte doch per Kreditkarte bestellt.
- 10.12.2007, 20.21 Uhr
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Eine weitere Bestelleingangsbestätigung im Posteingang. Neue Auftragsnummer, neue Zahlart. Diesmal ist die Kreditkartenzahlung ausgewiesen. Kein Problem –, Reply auf die erste Bestelleingangbestätigung gemacht und die erste, von mir definitiv nicht abgeschickte Bestellung storniert. Es lebe das Widerrufsrecht, so muss ich das nicht diskutieren.
- 10.12.2007, 22.36 Uhr
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Eine Antwort von Karstadt – Mensch, sind die schnell. Ach so, ist nur die Meldung, dass meine Mail eingegangen ist und so schnell wie möglich bearbeitet wird. Da es ja nur um die Stornierung einer … geht, die ohne Vorkasse ja eh nicht rausgeschickt wird, besteht da kein Zeitdruck.
- 11.12.2007, 22.36 Uhr
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Genau 24 Stunden nach der ersten Meldung schreibt der Karstadt-Roboter mir, dass man leider die Anfrage noch nicht bearbeiten konnte und für meine Geduld dankt. Da kam Weihnachten wohl auch wieder überraschend.
Woher wissen die eigentlich, dass ich Geduld habe? Die kennen mich offensichtlich nicht.
- 12.12.2007, 17.28 Uhr
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Karstadt schreibt und teilt mir mit, dass der Auftrag wunschgemäß storniert wurde. Na also, geht doch.
- 12.12.2007, 18.41 Uhr
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Jetzt kommt die nächste E-Mail von Karstadt. Sollte das etwa die Versandmitteilung sein? Zwei Tage nach der Bestellung einer …, die ja schließlich am Lager war (dachte ich in meiner Naivität), wäre das nicht zu früh.
Leider ist es aber nur eine Vorkasseanforderung. Wohlgemerkt für die Bestellung, deren Stornierung mir über eine Stunde vorher mitgeteilt wurde. Na ja, hat sich vielleicht nur blöd überschnitten.
- 13.12.2007, ca. 10.00 Uhr
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Bin bei karstadt.de, um mir mal den Stand meiner Lieferung im Kundenkonto anzusehen. Überraschung: So etwas wie einen Bestellstatus oder eine Bestellhistorie gibt es da nicht. Rechts wird mir allerdings angezeigt »Ihre letzte Bestellung: «. Richtig, da steht nichts. Sollten die etwa beide Bestellungen storniert haben?
Die Hotline ist der richtige Weg. Diesmal komme ich sofort durch und habe eine nette, vielleicht etwas gelangweilte Mitarbeiterin an der Strippe. Nach kurzer Suche bestätigt die mir, dass die Vorkasse-Bestellung storniert wurde, die Kreditkartenbestellung aber noch im Konto steht und ausgeliefert werden wird.
Wieso »werden wird«?, erkundige ich mich höflich. Schließlich ist nun schon der dritte Werktag nach der Online-Bestellung. Die … war Montag sofort lieferbar, Dienstag sofort lieferbar (jepp, ich habe nachgesehen) und nun, am Mittwoch ist sie nicht mehr lieferbar. Kann mir aber egal sein, ich habe ja schließlich eine bestellt, die am Lager war, die wird ja wohl für mich reserviert worden sein.
Die nette Call-Center-Agentin teilt mir nun aber mit, dass die … vergriffen sei und ich beliefert werde, sobald der Lieferant wieder welche verfügbar hat. Man könne ja schließlich nichts dafür, dass der Lieferant nun keine mehr habe. Aber das wäre ja auch kein Problem, ich bekomme meine … ja noch. Ich habe dann etwas erzürnt darauf hingewiesen, dass ich sicher nicht bei Karstadt bestellt hätte, wenn dort nicht vorgespiegelt worden wäre, dass das Produkt lieferbar war, konnte jedoch bei der mittlerweile leicht überfordert erscheinenden Dame kein Verständnis ernten.
- 13.12.2007, 18.39 Uhr
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Ich bekomme zwei(!) E-Mails von Karstadt, in denen man sich für die Verzögerung der Auslieferung entschuldigt und mich um ein wenig Geduld bittet. Das in kürzester Zeit enorm gestiegene Interesse an karstadt.de habe dafür gesorgt, dass die Systeme in den vergangenen Tagen überlastet waren. Weihnachten kam also tatsächlich auch für den gestandenen Versandhandelskonzern wieder überraschend. Im Übrigen kamen mir bei allen Besuchen die Systeme nicht überlastet vor. Für Mitarbeiter scheint das eher zu gelten.
Soviel zur Geschichte bis jetzt. Ich warte noch auf die Auslieferung, allerdings nur noch aus beruflichem Interesse, wie die Geschichte weitergeht. Die … hat meine Frau heute beim stationären Handel besorgt.
Nun zum Betrugsvorwurf: Wenn man eine Bestellung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschleicht, halte ich das für Betrug. Wettbewerbsrechtlich ist der Fall klar. Ein Produkt, ein rares auch noch, das von allen anderen Händlern als vergriffen bis nach Weihnachten ausgewiesen wird, wird nicht nur als lieferbar sondern als sofort lieferbar ausgewiesen. So kommt man an eine Bestellung, die sonst eventuell nicht aufgegeben worden wäre.
Der Grund für die offensichtlich falsche Ausweisung der Lieferbarkeit ist nun entweder in einer Unprofessionalität zu suchen, die ich diesem Unternehmen eigentlich nicht unterstellt hätte oder ist ganz klar der Versuch, anderen Händlern im umkämpften Weihnachtsgeschäft mit wissentlich falschen Angaben die Kunden abzugraben, während die ehrlichen Händler, die das Produkt vergriffen melden, in die Röhre schauen.
Die Beurteilung des Vorgangs überlasse ich dem geneigten Leser. Unternehmen kann ich da in rechtlicher Hinsicht vermutlich nichts, da ich kein Wettbewerber dieses Versandhändlers bin. Aber vielleicht liest ja einer mit und möchte mal die Lieferfähigkeit seines Marktbegleiters testen.
Nachtrag (19.12.)
Nachdem ich am 16.12. abends auch den noch offenen Auftrag storniert habe und mir die Stornierung am 18.12. spätnachmittags bestätigt wurde, kam heute, ebenfalls spätnachmittags, die Mitteilung der Auslieferung. Das macht also neun Tage von Bestellung bis Auslieferung bei einem sofort lieferbar gemeldeten Artikel.
Die Befürchtung, die … nicht mehr vor Weihnachten zu erhalten, wurde somit nicht bestätigt. Die Angabe der Lieferbarkeit war jedoch in jedem Fall falsch und auch der restliche Ablauf zeugt nicht von Professionalität. Allein zwei Tage Wartezeit zwischen Storno und Bestätigung an dann die Auslieferung am dritten Tag sprechen wohl für sich. Da greifen offensichtlich verschiedene Systeme nicht ineinander.
Nachtrag (22.12.)
Die Geschichte wird immer abstruser. Jetzt ist die am 19.12. angekündigte Lieferung immer noch nicht eingetroffen. Offensichtlich wurde also trotz entsprechender Meldung doch nicht ausgeliefert.
Mit Wertstellung 21.12. wurde jedoch meine Kreditkarte mit dem entsprechenden Betrag belastet. Ich habe den Betrag nun beim Kreditkartenanbieter reklamiert und habe das Karstadt mitgeteilt.
Kann es bei einer einfachen Online-Bestellung noch mehr Chaos geben? Wenigstens halte ich die Frage aus der Überschrift nun für beantwortet: Die Abwicklung von Online-Bestellungen bei karstadt.de ist meiner Meinung nach absolut unprofessionell. Man scheint das aber erkannt zu haben, wie die Stellenanzeige bei XING zeigt. Wer auch immer sich darauf bewirbt, sollte gute Nerven mitbringen. Jede noch so gute Marketingleistung wird duch solche Abwicklung natürlich torpediert.
Nachtrag (3.1.)
Etwas umfangreicher, daher mit eigenem Beitrag: karstadt.de – langsam wird es grotesk
Hat gebloggt: http://tinyurl.com/ywax2x
Ich tippe auf eine …!
@Fabian: Richtig getippt, ich habe das dann auch mal durch Auslassungspunkte ersetzt ;-)
@Alle: Bitte nicht weiter raten!
Hab mich immer noch nicht beruhigt: http://snurl.com/1v9lk
[...] Versandhandels-Lustspiel, das Karstadt nun seit dem 10.12.2007 mit meiner Bestellung aufführt, ist immer noch nicht zuende. [...]
[...] Selten schreibe ich zu einem Thema gleich drei Artikel. Eine E-Mail von heute verlängert aber zwangsweise die Fortsetzung der Versandhandels-Groteske, die karstadt.de mit meiner unfreiwilligen Hilfe inszeniert. [...]